Keiki-Paste bei Phalaenopsis: Basale Keikis gezielt fördern
Wer seine Phalaenopsis-Orchidee vermehren will, ohne auf Samen oder Gewebekultur zurückzugreifen, landet früher oder später bei Cytokinin-Keiki-Paste. Richtig angewendet, also an der Basis der Pflanze (am Ansatz der Blütenrispe oder direkt am Stamm nahe den Wurzeln), regt diese Paste die Bildung sogenannter basaler Keikis an. Das sind kleine Jungpflanzen, die man später abtrennen und eigenständig weiterkultivieren kann. In diesem Artikel zeige ich, wie die Anwendung in der Praxis funktioniert, worauf es ankommt und welche Fehler mir in Foren und bei Bekannten immer wieder begegnen.
Was ist Keiki-Paste und wie wirkt sie?
Keiki-Paste enthält synthetisches Cytokinin, ein Pflanzenhormon, das Zellteilung und Sprossbildung ankurbelt. Bei Phalaenopsis wird dieses Hormon normalerweise an bestimmten „Knoten” (Nodien) entlang der Blütenrispe aktiv. Dort entstehen gelegentlich ganz von selbst Keikis, ohne dass man etwas tun muss. Mit der Paste lässt sich dieser Prozess gezielt provozieren, auch an Stellen, an denen die Pflanze von sich aus nie einen Ableger bilden würde, etwa an der Basis.
Basale Keikis unterscheiden sich von Rispen-Keikis dadurch, dass sie direkt am unteren Stammbereich der Orchidee entstehen. Weil sie näher am Substrat wachsen, entwickeln sie häufig schneller ein eigenes, kräftiges Wurzelsystem als ihre Pendants weiter oben an der Blütenrispe.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Die Erfolgsquote steigt deutlich, wenn die Orchidee sich gerade in einer aktiven Wachstumsphase befindet:
- Frühjahr bis Frühsommer eignet sich am besten, weil die Pflanze in dieser Zeit ohnehin Energie in neues Wachstum steckt.
- Die Mutterpflanze sollte gesund und etabliert sein, also mindestens 2 bis 3 ausgewachsene Blätter und ein stabiles Wurzelsystem besitzen.
- Finger weg von gestressten, frisch umgetopften oder kränkelnden Pflanzen. Hier verpufft die Wirkung meist, manchmal schadet die Anwendung sogar.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anwendung
- Stelle identifizieren: Suchen Sie am unteren Stammbereich eine Node, eine kleine, schuppenartige Erhebung zwischen den Blattansätzen. Am besten eignen sich die unteren, bereits etwas verholzten Blattachseln, nicht die ganz frischen, grünen.
- Vorbereiten: Mit einer sterilen Pinzette oder einem Skalpell vorsichtig die trockene Schutzschuppe (das „Hüllblatt”) entfernen, die den Knoten bedeckt. Erst dann kann die Paste wirklich einziehen.
- Paste auftragen: Mit einem Wattestäbchen oder Zahnstocher eine erbsengroße Menge direkt auf den freigelegten Knoten geben. Weniger ist hier tatsächlich mehr, eine dünne Schicht genügt völlig.
- Nicht abdecken: Die Stelle bleibt offen, kein Verband, keine Folie. Die Paste muss an der Luft trocknen und einwirken können.
- Geduld haben: Erste sichtbare Veränderungen, kleine grüne Erhebungen, zeigen sich meist erst nach 4 bis 8 Wochen. Manchmal dauert es auch drei, vier Monate. Das ist normal.
Pflege nach der Anwendung
- Luftfeuchtigkeit in der Umgebung bei 50 bis 70 % halten, das unterstützt die Zellteilung.
- Die behandelte Stelle in den ersten Tagen nicht direkt besprühen.
- Die Mutterpflanze moderat weiterdüngen, damit genug Energie für das neue Wachstum übrig bleibt.
- Regelmäßig hinschauen, aber nicht herumpieken oder an der Stelle manipulieren.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu viel Paste: Eine Überdosierung schädigt das Gewebe eher, als dass sie Wachstum anstößt. Mehr bringt hier nichts.
- Falsche Stelle: Junge, noch grüne und saftige Nodien reagieren oft schlechter als etwas reifere, leicht verholzte Stellen.
- Unsterile Werkzeuge: Kontaminationen führen schnell zu Fäulnis statt zu Keiki-Bildung. Ein Wattepad mit Alkohol vorher ist keine große Mühe.
- Ungeduld: Viele Hobbygärtner geben nach zwei, drei Wochen entnervt auf. Cytokinin braucht Zeit, manchmal eben auch zwei Monate.
Wann sollte der Keiki abgetrennt werden?
Ein basaler Keiki ist reif für die Trennung, sobald er mindestens zwei bis drei eigene Wurzeln von 5 bis 8 cm Länge gebildet hat. Vorher würde ich nicht eingreifen, auch wenn die Versuchung groß ist. Das Abtrennen erfolgt mit einem sterilen, scharfen Messer, möglichst nah an der Verbindungsstelle zur Mutterpflanze. Die Schnittstellen danach mit Zimtpulver oder Wundversiegelung behandeln, das beugt Infektionen vor.
Fazit
Cytokinin-Keiki-Paste ist ein bewährtes Mittel, um bei Phalaenopsis-Orchideen gezielt basale Keikis hervorzubringen. Entscheidend sind der richtige Zeitpunkt, eine saubere Anwendung in moderater Dosierung und vor allem Geduld in der Nachsorge. Wer diese Punkte beachtet, kann aus einer einzigen gesunden Mutterpflanze mit etwas Übung mehrere neue Orchideen ziehen, eine günstige und sehr befriedigende Methode für jeden, der seine Sammlung erweitern möchte.